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07.11.2023

Als Zeuge geladen, aber nichts gesehen: Was tun?


In rechtlichen Angelegenheiten kann es vorkommen, dass Sie als Zeuge vor Gericht oder zur Polizei geladen werden, obwohl Sie nichts gesehen haben. Dies kann eine ungewohnte und stressige Erfahrung sein, aber es ist wichtig zu wissen, was der Hintergrund ist. In diesem Artikel werden wir einige Aspekte erläutern, die Ihnen dabei helfen, die Situation besser zu verstehen.
1. Verstehen Sie Ihre Rolle als Zeuge:
Bevor Sie als Zeuge aussagen, ist es wichtig zu verstehen, dass Ihre Rolle als Zeuge darin besteht, zur Wahrheitsfindung und Sachverhaltsaufklärung beizutragen. Dazu gehört, dass Sie die Wahrheit sagen müssen, basierend auf dem, was Sie wahrgenommen haben. Sie müssen nicht zwangsläufig etwas gesehen haben, um relevant zu sein.
Wenn Sie jedoch überhaupt keine Ahnung haben, können Sie das Gericht dennoch vorab darüber informieren und um Abladung bitten.
2. Notieren Sie sich alles, was Sie wissen:
Machen Sie sich als Vorbereitung eine detaillierte Notiz von allem, was Sie im Zusammenhang mit dem Vorfall wissen, auch wenn es sich um scheinbar unwichtige Informationen handelt. Diese Informationen könnten von Bedeutung sein. Dies dient jedoch nur dazu, sich die Informationen wieder ins Gedächtnis zu rufen. Denn bei Ihrer Aussage sollen Sie sich an Ihre eigenen Wahrnehmungen erinnern und nicht ein Skript ablesen.
3. Vermeiden Sie Spekulation:
Wenn Sie nichts gesehen oder erlebt haben, ist es wichtig, dies klar zu sagen und Spekulationen zu vermeiden. Sagen Sie nur aus, was Sie sicher wissen. Weisen Sie darauf hin, wenn Sie unsicher sind. Bei Kfz-Unfällen sind z.B. sogenannte "Knallzeugen" bei Gerichten bekannt. Dies sind Personen, die sich erst aufgrund eines Knalls nach dem Unfall umsehen. Der Unfall ist bereits geschehen und der Zeuge hat den Hergang nicht gesehen. Dennoch spekulieren die Zeugen dann oft über den Hergang. Das Geschehen nach dem Unfall kann jedoch das eigentlich entscheidende sein, z.B. das Verhalten der Personen. Obwohl der Zeuge den Hergang nicht gesehen hat, kann er ggf. trotzdem entscheidende Informationen mitteilen.
4. Keinesfalls lügen
Als Zeuge müssen Sie die Wahrheit sagen. Lügen können strafrechtliche Konsequenzen haben. Denken Sie daran, dass die Beurteilung von Zeugenaussagen der tägliche Job eines Richters ist, der jeden Monat dutzendfach angelogen wird. Ein erfahrener Richter oder Richterin erkennt in der Regel, ob eine Person lügt, auch wenn er/sie es sich nicht anmerken lässt. Es gibt verschiedene Lügenanzeichen, die nur sehr schwer zu verbergen sind. Dies betrifft nicht nur das äußere Verhalten, welches auch infolge Nervosität unsicher wirken kann, sondern vor allem am Inhalt der Aussage.
Unterlassen Sie auch "Belastungseifer", also Aussagen mit denen Sie jemanden mit irrelevanten Zusatzinformationen in ein besonders schlechtes Licht rücken wollen. Dies macht eine Aussage unglaubhaft.
5. Zeigen Sie Kooperationsbereitschaft:
Zeigen Sie gegenüber dem Gericht, Polizei und den Anwälten Kooperationsbereitschaft. Beantworten Sie alle Fragen ehrlich und respektvoll, selbst wenn diese wiederholt werden. Zeigen Sie aber auch klare Kante, wenn Ihnen ein Beteiligter die Worte im Mund herumdrehen möchte oder Ihnen mit Suggestivfragen eine Antwort vorgeben möchte wie: "Sie haben doch bestimmt auch gesehen dass Person XY viel zu schnell gefahren ist."
6. Bleiben Sie ruhig und gelassen:
Die Verhandlung vor Gericht kann stressig sein, besonders wenn Sie unter Druck stehen und wenig beizutragen haben. Versuchen Sie dennoch, ruhig und gelassen zu bleiben. Sie sind nicht Gegenstand des Verfahrens, sondern nur Zeuge. Lassen Sie sich nicht von emotionalen Reaktionen leiten, sondern konzentrieren Sie sich auf die Fakten. Zum Teil wird ein Anwalt einen Zeugen auch bewusst als Prozessstrategie provozieren, um ihn bei einer präzisen Aussage zu verunsichern oder abzulenken.
7. Vertrauen Sie auf das Rechtssystem:
Denken Sie daran, dass das Gerichtssystem darauf ausgelegt ist, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Ihre Zeugenaussage, selbst wenn sie besagt, dass Sie nichts gesehen haben, trägt dazu bei, ein umfassenderes Bild des Vorfalls zu zeichnen.
Fazit:
Als Zeuge geladen zu werden, obwohl Sie nichts gesehen oder keine Ahnung haben, kann eine herausfordernde Erfahrung sein. Dennoch ist es wichtig, Ihre Rolle als Zeuge ernst zu nehmen.
Wenn Sie keine Ahnung zu dem Sachverhalt haben, dann müssen Sie dies in den Fragen wahrheitsgemäß sagen. Sie können dies auch schon im Vorfeld per Brief schreiben und um Abladung bitten. Allerdings können auch andere als optische Wahrnehmungen nützlich sein, z.B. akustische Wahrnehmungen oder Erzählungen von Dritten, was diese gesehen haben. Nur weil Sie das Kerngeschehen nicht gesehen haben, heißt dies nicht, dass Sie nicht zur Wahrheitsfindung beitragen können.

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